Der Bausparvertrag - Für wen lohnt sich Bausparen heute eigentlich noch?

Für wen lohnt sich Bausparen?
Bausparen lohnt sich - Allerdings nur, wenn der Tarif auch zum jeweiligen Vorhaben passt!

Bausparen liegt wieder im Trend. Einer Umfrage von TNS Infratest im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen zufolge sind Bausparverträge nach dem Sparbuch und dem Girokonto die beliebteste Sparform der Deutschen. Durchschnittlich verfügt jeder dritte Haushalt über einen Bausparvertrag. Bei Neuabschlüssen verzeichnen Bausparkassen wie Schwäbisch Hall oder LBS derzeit einen immensen Zulauf.

Bausparen gilt seit jeher als solide und sichere Anlageform und spätestens seit der Finanzkrise stehen derartige Anlageformen bei den Deutschen wieder hoch im Kurs.
Allerdings liegen die Zinsen derzeit auf einem historisch niedrigen Niveau und so bieten auch die Bausparkassen aktuell meist nur recht niedrige Guthabenzinsen. Schlechte Zeiten also für Sparer.

Der Bausparvertrag zählt weiterhin zu den beliebtesten Geldanlagen der Deutschen.
Der Bausparvertrag liegt bei den beliebtesten Geldanlagen der Deutschen auf dem 3. Platz
Quelle: tns Infratest
Umfrage 2013 - Mehrfachnennungen waren möglich

Wer hingegen mit dem Kauf oder Bau einer Immobilie liebäugelt und hierfür bereits etwas Eigenkapital angespart hat, kann sich momentan über zinsgünstige Baufinanzierungsangebote freuen. Zur Realisierung eines kurzfristigen Immobilienkaufs ist in der Regel der klassische Immobilienkredit einem Bausparvertrag aufgrund dessen längerer Ansparzeit vorzuziehen. Die Laufzeiten bis zur Zuteilung liegen bei letzterem häufig zwischen sieben und zehn Jahren.

Für wen also lohnt sich ein Bausparvertrag heutzutage eigentlich noch?
Wie ist es zu erklären, dass sich Bausparen bei den Deutschen noch immer so großer Beliebtheit erfreut?

Einer der wohl entscheidenden Gründe für die wiedergewonnene Beliebtheit dieser, für lange Zeit als spießig geltenden Anlageform lässt sich mit einem Satz umschreiben:

Bausparen bietet Planungs- bzw. Zinssicherheit.

Mit einem Bausparvertrag lassen sich niedrige Darlehenszinsen langfristig sichern

Vor allem für Anleger, die erst in einigen Jahren die Anschaffung einer Immobilie planen, bzw. noch nicht genügend Eigenkapital dafür angespart haben, kann sich Bausparen derzeit lohnen. Die aktuell günstigen Darlehenszinsen lassen sich so schon jetzt für mehrere Jahre im Voraus sichern.

Der Bausparvertrag ist für den zukünftigen Häuslebauer gewissermaßen das, was für den Anschlussfinanzierer das Forward-Darlehen ist: Die Möglichkeit, sich einen vertraglich garantierten Zinssatz zu sichern, der unabhängig von zukünftigen Zinsschwankungen am Finanzmarkt über die gesamte Laufzeit konstant bleibt. Der Bausparer weiß so bereits beim Abschluss, mit welcher Rate er in einigen Jahren zu rechnen hat.

Aber nicht nur für Häuslebauer, auch für junge Leute ohne konkreten Immobilienwunsch oder für Geringverdiener kann ein Bausparvertrag dank staatlicher Förderung sinnvoll sein.

Wie funktioniert ein Bausparvertrag?

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Während der vereinbarten Laufzeit spart der Anleger einen bestimmten Anteil der Bausparsumme in monatlichen Raten an. In der Regel wird die Hälfte der Bausparsumme als Eigenkapital angespart. Je nach Vertragsbedingungen der Bausparkasse können bis zu 60 Prozent eingezahlt werden. Während der Sparphase wird das Guthaben verzinst. Ist das Sparziel nach der vereinbarten Laufzeit erreicht, wird der Vertrag zuteilungsreif. Der Sparer kann nun die andere Hälfte der Bausparsumme als Darlehen in Anspruch nehmen. Alternativ kann er sich das eingezahlte Kapital zuzüglich angefallener Zinsen auszahlen lassen, ohne den Kredit zu beantragen.
Die Bausparsumme sollte auf die Bedürfnisse des Sparers zugeschnitten sein, damit der Vertrag im geplanten Zeitraum zugeteilt wird. Im Internet stehen zahlreiche Rechner zur Verfügung, die eine genaue Berechnung ermöglichen. Zu empfehlen ist eine Vertragssumme, die in etwa beim zehnfachen der jährlichen Sparleistung liegt.

Vor- und Nachteile des Bausparens

Wer mit dem Gedanken spielt einen Bausparvertrag abzuschließen, sollte immer Vor- und Nachteile abwägen.

Vorteile

Einer der größten Vorteile des Bausparvertrages ist die Planungssicherheit für den Sparer. Bei Abschluss des Vertrages steht der Darlehenszins bereits fest. Anleger, die ihren Immobilienerwerb konkret planen, sichern sich einen attraktiven Zinssatz, unabhängig von der Kapitalmarktentwicklung. Die Höhe des Darlehenszinses ist abhängig vom jeweiligen Tarif.
Grundsätzlich gilt: Je niedriger der Guthabenzins desto günstiger der Darlehenszins.

Bausparer innerhalb bestimmter Einkommensgrenzen profitieren von der staatlichen Wohnungsbauprämie und bei Einzahlung vermögenswirksamer Leistungen von der Arbeitnehmersparzulage. Junge Leute unter 25 Jahren erhalten die staatliche Wohnungsbauprämie unabhängig von einer wohnwirtschaftlichen Verwendung des Vertrages. Einzige Voraussetzung ist eine Ansparphase von mindestens sieben Jahren. Bei allen anderen Sparern wird die Prämie in Höhe von 8,8 Prozent auf die jährliche Sparleistung nur gewährt, wenn der Vertrag einem wohnwirtschaftlichen Zweck dient. Voraussetzung ist ein Einkommen unter 25.600 Euro. Der maximale Sparbetrag beträgt 512 Euro jährlich. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, vermögenswirksame Leistungen des Arbeitgebers einzuzahlen und als Bonus die Arbeitnehmersparzulage des Staates zu kassieren. Die Einkommensgrenze liegt bei 17.900 Euro.

Auch ein Riester-Bausparvertrag kann aufgrund der Riester-Förderung für den Bau oder Kauf von selbst genutztem Wohneigentum interessant sein. Mit dem sogenannten Wohn-Riester lassen sich Zulagen vom Staat sowie ggf. Steuer­vorteile sichern.

Nachteile

Wie oben bereits erwähnt, eignet sich Bausparen weniger für kurzfristige Bauvorhaben. Ob dies ein Nachteil ist, kommt auf die eigenen Pläne an. Wer nicht, bzw. erst später bauen möchte, für den stellt es kein Problem dar. Wer sich einen günstigen Darlehenszins für später sichern will, dürfte evtl. sogar über die niedrigen Guthabenzinsen in der Ansparphase hinwegsehen.
Nachteilig ist allerdings die bei Abschluss des Vertrages fällige Abschlussgebühr. Die Kosten betragen je nach Bausparkasse zwischen 0,5 und 1,6 Prozent der Bausparsumme. Üblicherweise wird die Abschlussgebühr mit den ersten Einzahlungen verrechnet. Ein weiterer Nachteil sind die jährlichen Kontoführungsgebühren, die ebenfalls zu einer Schmälerung der Rendite beitragen.
Als Notgroschen ist das Kapital auf dem Bausparvertrag weniger geeignet. Für Sparer, die zwischendurch auf ihr Guthaben zugreifen möchten, ist ein Bausparvertrag nicht flexibel genug. Das Guthaben kann zwar unter Einhaltung einer dreimonatigen Kündigungsfrist gekündigt werden, die einbehaltene Abschlussgebühr wird jedoch nicht erstattet. Wer ohne Einhaltung der Kündigungsfrist über sein Geld verfügen möchte, zahlt nach den Bedingungen der jeweiligen Bausparkasse eine Vorfälligkeitsentschädigung.

Fazit - Für wen ist Bausparen sinnvoll?

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Um entscheiden zu können, ob Vor- oder Nachteile beim Bausparvertrag überwiegen, müssen immer zuerst die persönlichen Ziele festgelegt werden. Nur so kann ein zum eigenen Vorhaben passender Tarif gefunden werden.

Für Anleger, die planen in einigen Jahren ein eigenes Häuschen zu kaufen, kann der Abschluss eines Bausparvertrages (ggf. mit Riester-Förderung) sinnvoll sein. Damit sichern sie sich bei Vertragsabschluss einen günstigen Zinssatz für das spätere Darlehen. Ist das Wunschobjekt gefunden, ist die Kombination des Bausparvertrages mit einer klassischen Baufinanzierung ideal.
Auch Sparer, die Eigentum besitzen, liegen mit dem Bausparen richtig. Stehen in einigen Jahren erste Modernisierungsmaßnahmen an, können diese mit dem Bausparvertrag realisiert werden.

Anleger, die aufgrund ihres Einkommens die staatliche Förderung erhalten, profitieren ebenfalls vom Bausparen. Dank Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage können sie attraktive Renditen erzielen. Junge Leute ohne konkreten Immobilienwunsch können auf diese Weise eine ideale Vorsorge für ihre Zukunft treffen.

Vor dem Abschluss eines Vertrags ist ein Vergleich mehrerer Angebote und Tarife sinnvoll. Um verschiedene Angebote vergleichbar zu machen, bietet beispielsweise die Stiftung Warentest / Finanztest auf test.de einen Bausparrechner als Excel-Datei zum Download an.