Nach dem Brexit-VotumAktuelle Situation bei den Bauzinsen: Zinstief hält weiter an

Die Bauzinsen in Deutschland befinden sich nach wie vor auf einem äußerst niedrigen Level und es gibt derzeit keine Anzeichen dafür, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern könnte. Vor allem die Niedrigzinspolitik der EZB, aber auch der Blick in die Vereinigten Staaten macht deutlich, dass Bauzinsen voraussichtlich auch Anfang des kommenden Jahres noch äußerst günstig sein werden.

Infografik: Bestzins 10-jähriger Hypothekendarlehen / EZB-Leitzins / Verbraucherpreise Deutschland
Grafik zum Zinskommentar "Brexit lässt Bauzinsen in Deutschland auf neuen Tiefststand sinken" von Dr. Klein

Leitzins unverändert

Mit Spannung wurde die vor einigen Wochen abgehaltene erste Sitzung der Europäischen Zentralbank nach dem Brexit Votum erwartet. Neue Erkenntnisse brachte die Sitzung allerdings nicht, da die EZB nach wie vor sehr abwartend handelt und nichts an ihrer aktuellen Geldpolitik ändert. Dies bedeutet vor allem, dass der Leitzins als wohl wichtigster Einflussfaktor auf die Bauzinsen nicht verändert wird und somit bei Null Prozent verharrt. Die amerikanische Zentralbank (Fed) nahm von einer Erhöhung des Leitzinses in ihrer letzten Sitzung ebenfalls Abstand. Die Gründe hierfür dürften sowohl bei der Fed als auch bei der EZB unter anderem darin liegen, dass die tatsächlichen Auswirkungen des Brexit auf die Finanzmärkte noch nicht genau abschätzbar sind und somit erst noch abgewartet werden müssen. Zudem ist anzunehmen, dass die US-Notenbank während dem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump zurückhaltend agiert, um die Wahlen nicht weiter zu beeinflussen. In diesem Umfeld bewegen sich die Bauzinsen nach wie vor auf einem historischen Zinstief.

Baufinanzierungszinsen auf neuem Tiefststand

Wie der Finanzdienstleister Dr. Klein & Co. AG in seinem Zinskommentar "Brexit lässt Baufinanzierungszinsen in Deutschland ein weiteres Mal auf einen neuen Tiefststand sinken" vom 15.08.2016 berichtet, bewegten sich die besten Bauzinsen für 10-jährige Hypothekendarlehen Anfang August diesen Jahres auf einem Niveau von unter 0,80 Prozent. (Siehe Grafik oben.)

Interhyp: "Immobilienkredite so günstig wie noch nie"

Bereits Anfang Juli konnte die Mehrheit aller Kreditnehmer den Kauf ihres Hauses mit einer zehnjährigen Zinsbindung zu einem Zinssatz von deutlich unter 1,3 Prozent finanzieren. Dies ist einmalig in der Historie der Bundesrepublik Deutschland, denn so geringe Bauzinsen gab es zuvor noch nie. Zu diesem Ergebnis kommt eine ausführliche Auswertung einer Reihe von Finanzierungsdaten bei über 400 Banken, welche durch den Baufinanzvermittler Interhyp AG durchgeführt wurde. Kurzfristig ist mit weiterhin sehr günstigen Bauzinsen zu rechnen.

Grafik - Zinsentwicklung der vergangenen zehn Jahre
Grafik - Zinsentwicklung der vergangenen zehn Jahre, Quelle: Interhyp AG

Zwar muss die weitere Entwicklung vor dem Hintergrund des Brexit und dessen Auswirkungen zunächst beobachtet werden. Trotzdem gehen die meisten Experten davon aus, dass Immobilienkäufer zumindest im kurzfristigen Bereich in den kommenden Monaten noch von weiterhin extrem niedrigen Bauzinsen profitieren können. Allerdings bringt die Unsicherheit, welche Konsequenzen der Brexit tatsächlich an den Finanzmärkten haben wird, auch das Risiko mit sich, dass Immobilienkredite mittel- bis langfristig wieder teurer werden. Daher sollten Verbraucher, die ohnehin in näherer Zukunft den Kauf oder Bau einer Immobilie geplant haben, nicht mehr allzu lange mit der Finanzierung warten.

Tipp: Sowohl Dr. Klein als auch die Interhyp raten in Anbetracht der derzeitigen Niedrigzinsen und der Gefahr von mittelfristig steigenden Zinsen dazu, bei einer günstigen Finanzierung auf eine möglichst hohe Anfangstilgung (3 Prozent oder mehr) und eine lange Zinsbindung oder ggf. sogar auf ein Volltilgerdarlehen zu setzen.

Schwacher Konjunkturanstieg stellt bisher keine Gefahr dar

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Bisher gibt es keine deutlichen Anzeichen dafür, dass die Hypothekenzinsen in absehbarer Zeit wieder enorm ansteigen könnten. Dagegen spricht beispielsweise die nur zaghafte Erholung der Konjunktur, die nicht im Ansatz dazu führt, dass beispielsweise die Inflationsrate deutlicher steigen würde und die EZB demzufolge handeln müsste. Darüber hinaus betreibt die Europäische Zentralbank weiterhin ihre expansive Geldpolitik, die sie durch die Leitzinsen in Höhe von 0,0 Prozent untermauert.

Fazit Zinsentwicklung: Kurzfristig keine signifikanten Veränderungen in Sicht

Als Fazit kann Stand September 2016 festgehalten werden, dass sich die Bauzinsen wohl zumindest bis Anfang 2017 auf dem aktuellen Niedrigniveau halten dürften. Signifikante Anzeichen dafür, dass sich die Konjunktur deutlich erholt und die EZB ihre Geldpolitik ändern wurde, gibt es bis dato nicht. Dennoch kann das Risiko von Zinserhöhungen natürlich nicht gänzlich ausgeschlossen werden, insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Brexit nach wie vor eine gewisse Unsicherheit an die Finanzmärkte bringt.

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